Die Villa

Die Villa von Thambach

Der schlossartige Landsitz ist ein echter Hingucker, und jeder, der schon mal einen Ausflug auf der Bundesstraße B 12 in Richtung Passau unternommen hat, erinnert sich an das große gelbe Anwesen mit den grünen Fenstern, das auf einer Anhöhe über Hügel und Felder wacht und über eine jahrhundertealte Eichenallee zu erreichen ist. In unmittelbarer Nachbarschaft steht eine kleine Schlosskirche, die aus dem Jahr 1486 stammt und in den Garten des Landsitzes integriert ist.

Das Haus wurde Anfang der 1920er-Jahre von dem Münchner Architekten Hans Steiner als Landsitz für die Gräfin Sophie von Moy errichtet, deren Familie bis in die jüngsten Tage eine Brauerei im benachbarten Haag betrieb.

Die großzügig geschnittene Villa wurde von Gräfin von Moy vorwiegend als Frühjahrs- und Sommersitz bewohnt und der Besucher, der heute von einer Porzellanbüste im Entree empfangen wird, stellt sich eine elegante, junge Dame mit Sonnenschirm vor, die durch den angelegten Park spaziert, in ein Buch vertieft ist oder Gäste bei einer Tasse Tee empfängt. Doch die Kriegsjahre machten sich auch auf dem Land bemerkbar. Der Landsitz diente bis in die 50er Jahre als Ausweichquartier der Haunerschen Kinderklinik in München bis zu der Wiederherstellung ihrer Klinikgebäude.

Da Gräfin von Moy keine direkten Nachkommen hatte, ging sich das Eigentum - Villa, Kirche und der dazugehörige landwirtschaftliche Gutsbetrieb - in den 1950er-Jahren an die Brüder Paul und Dr. Rudolf Huber über. Dr. Rudolf Huber nutzte das Haus als Rekonvaleszenzklinik sowie für die eigene Röntgenfach- und Allgemeinpraxis. Er verstarb im Jahr 1981. Der Geist der Hilfsbereitschaft und Fürsorge blieb im Haus und bald zog das Collegium Augustinum, ein renommierter Seniorenheimbetreiber in Deutschland, ein und gab altersbedingt dementen Alzheimer-Patienten eine freundliche und stilvolle Heimat.

Seit 1996 stand das Haus leer, bis es von der Künstlergruppe um Michaela Schulte und Susanne Donalies entdeckt und für die Thambacher Kunsttage hergerichtet wurde. Im Mai 2009 öffneten sich zum ersten Mal die Türen der Villa für die Öffentlichkeit, die in den stuckverzierten Räumen die Arbeiten renommierter Künstler präsentiert bekommen. Mittlerweile sind die Thambacher Kunsttage zu einer festen Installation im Mai geworden, die dem interessierten Publikum einen künstlerisch hochwertigen Kontrapunkt zum städtischen Kunstleben bietet.